"Das Lernen wieder lernen"

Hatice Keremoglu ist seit Beginn dieses Jahres an der BBS. Sie unterrichtet in Klasse1 und 2 und ist auch Mathekoordinatorin. Ihre ersten Wochen an der BBS fanden unter den herausfordernden Rahmenbedingungen des Lockdowns statt.

Hatice Keremoglu

Hatice, wie hast Du Deine ersten Wochen bei uns empfunden?

Ich hatte keinen leichten Start, da alle ersten Treffen nur digital stattgefunden haben. Ich wurde trotzdem ganz toll vom Team unterstützt, damit ich mich trotz der schwierigen Umstände leicht einarbeiten konnte.

Was war dabei die größte Herausforderung empfunden?

Die Kinder alle nur digital kennenlernen zu können. Es war schwierig die ersten Tage, alle auseinanderzuhalten und sich die Namen zu merken, wenn man sich erstmal nur am Bildschirm sieht. Manche Kinder haben auch die Kamera ausgestellt in den gemeinsamen Unterrichtszeiten und das hat mir die Arbeit noch mal erschwert.

Was ist Deines Erachtens der größte Unterschied zwischen dem Unterricht im Klassenraum und dem Unterricht am Computer?

Im digitalen Unterricht kann man sich beispielsweise nie sicher sein, ob die Kinder wirklich zuhören und ob man auch alle erreicht. Außerdem ist es eine Herausforderung – gerade in Mathe – ohne Materialien zu unterrichten und aktionsorientierter Unterricht geht natürlich auch nicht. Alle Unterrichtsmethoden zu evaluieren war digital auch nicht möglich. Besonders schwierig fand ich außerdem, dass es anfangs kaum eine Möglichkeit für mich gab, wirkliche Beziehungen mit den Kindern aufzubauen. Grundsätzlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass je mehr einen die Kinder mögen, um so besser und engagierter arbeiten sie. 

Was hat sich denn nach dem Lockdown Deiner Meinung nach am meisten geändert? Haben sich die Kinder anders verhalten oder gab es andere Unterschiede, die Dir aufgefallen sind?

Ja, jede Menge. Die Kinder mussten nach diesen schwierigen Wochen erstmal wieder "lernen zu lernen". Wir haben anfangs die Regeln im Klassenzimmer immer wieder wiederholt und den Kindern natürlich auch mehr Raum für sozial-emotionale Themen gegeben. Wir haben viele Spiele gespielt, um den Zusammenhalt der Klasse zu stärken. Während des Lockdowns und dem remote Unterricht haben die Kinder sich daran gewöhnt, dass sie jederzeit Unterstützung und Hilfe bekommen und haben den 1:1-Unterricht natürlich auch genossen. Nach der Rückkehr in die Schule hätten sie das auch gerne weiter so gehabt. Es hat einige Zeit gedauert, bis wir klar machen konnten, dass das in der Schule so nicht funktioniert. Wir möchten den Kindern hier natürlich viel mehr Unabhängigkeit beibringen. Außerdem haben wir im Präsenzunterricht natürlich gar nicht die Kapazitäten für eine 1:1-Betreuung.

Was war für Dich der beste Moment, als alle zurück in die Schule kamen?

Endlich wieder richtig vor der Klasse zu stehen und den Tag so zu beginnen, wie ich es gewohnt bin. Es gib nichts Schöneres als das Unterrichten von Angesicht zu Angesicht.

Wie hast Du die Kinder während des remote Unterrichts unterstützt? Gibt es Methoden, die Du mit zurück ins Klassenzimmer genommen hast?

Für die Vermittlung von Lerninhalten erstellte ich u.a. Erklärvideos und Powerpoint-Präsentationen. Da die Schüleraktivität für mich ganz wichtig ist, lege ich großen Wert auf kindgerechte Darstellung, die vor allem ansprechend für Kinderaugen ist. Vor diesem Hintergrund erstellte oder wähle ich mein Material oder meine Darstellungsformen.

Wie können wir Eltern unsere Kinder gerade nach diesen schwierigen Zeiten besser unterstützen?

1. Vertrauen in das eigene Kind und seine Fähigkeiten haben. Eine positive Lernumgebung (Bestärkung und Unterstützung) ist der Schlüssel zum Lernerfolg. 

2.Das Kind an seinen Fortschritten messen und bitte nicht mit anderen Kindern vergleichen.

3. Lerninhalte in Absprache mit der Lehrkraft wiederholen & festigen.

4. Im Falle eines neuen Lockdowns: Einen festen Zeitplan erstellen oder wenn dieser vorgegeben ist, diesen einhalten. Da die SchülerInnen den Ablauf auch im Lockdown brauchen. 

Um Dich noch ein bisschen besser kennenzulernen: Was hast Du gemacht, bevor Du an die BBS kamst. Hast Du vorher schon in Berlin gelebt und wo hast Du studiert?

Ich bin verheiratet und habe drei Kinder im schulpflichtigen Alter. Zur Zeit  unterrichte ich in der 1/2 AB Mathematik und Deutsch. Als geborene Berlinerin habe ich mein Grundschullehramt mit den Fächern Deutsch (HF), Mathe und Sachunterricht an der HU absolviert und mein Referendariat an einer Grundschule in Lichtenberg gemacht.

Danach arbeitete ich als Klassenlehrerin an einer Kreuzberger Grundschule und machte dort meine Weiterbildung zur LRS-Lehrkraft.

Für mich hat Beziehungsarbeit einen hohen Stellenwert, da ich denke, dass eine gute Lehrer-Schüler-Beziehung ausschlaggebend für den Lernerfolg ist. In meiner Freizeit lese ich sehr gerne, koche und treibe viel Sport.

Wie würdest Du die BBS in drei Worten beschreiben?

  • helpful
  • friendly
  • warm

Über was hast Du das letzte Mal in der Schule laut lachen müssen?

Oh, das kommt sehr oft vor, da die Kids zuckersüß und sehr lustig sind. Zum Beispiel stand letztens ein Kind im Unterricht auf und sagte, dass er genug gearbeitet hat und „abgeholt werden“ möchte (er meinte es Ernst).